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Geistliche Impulse

An dieser Stelle finden Sie geistliche Impulse rund um den Gott der Bibel. Verfasst und betreut werden diese Impulse von Mitgliedern unserer Gemeinde. Derzeit aktiv sind Frank Schulz und Pastor Dr. Horst Simonsen.

Für die Inhalte der Impulse sind die Autoren verantwortlich. Sie spiegeln nicht zwingend die Ansichten der Kirchengemeinde Oldenburg wieder.

Andreas und sein Kreuz

Vielleicht haben wir das in der Fahrschule beigebracht bekommen: Immer wenn wir an einem Eisenbahnübergang vorbeifahren, ist vor der Schranke oder dem Übergang ein quergestelltes Kreuz als Warnzeichen zu sehen – das sogenannte Andreaskreuz. Der Legende nach ist einer der Jünger Jesu (der Bruder des „Klassensprechers im Jüngerkreis“ Simon Petrus) an einem einem entsprechenden Kreuz gestorben.  Andreas („der Mannhafte“) wird nicht ganz so häufig in der Bibel erwähnt wie die drei „Säulenapostel“, die die Jerusalemer Urgemeinde anfangs geleitet haben (Petrus, Jakobus, Johannes – z. B. Matthäus 17,1; 26,37; Galater 2,9) – aber nach Johannes 1,40 war er immerhin derjenige, der Petrus mit Jesus bekannt gemacht hat. Das Andreaskreuz ist wohl in unserem Alltagsleben die deutlichste Erinnerung an diesen Jünger von Jesus.

Johannes 1,40 sagt indirekt auch: Andreas konnte hinter seinen Bruder zurücktreten, zumindest zu Lebzeiten Jesu. Rangstreitigkeiten („Wer hat den besseren Platz, das bessere Ansehen?) wie etwa von Jakobus und Johannes (Markus 10,35) – davon hören wir bei ihm nichts. Das fällt nicht immer leicht in Geschwisterbeziehungen. Spätere Legenden geben dabei Andreas durchaus einen ehrenvollen Platz. So wie sich der Papst in Rom als Nachfolger von Petrus sieht, so ähnlich macht es der Patriarch von Byzanz/Konstantinopel (der höchste Geistliche der östlichen Christen) mit Andreas. Sein Gedenktag kann uns auch daran erinnern, dass geschätzt eine bis anderthalb Millionen dieser Christen unter uns leben (etwa Griechen, Russen, Serben, Bulgaren) – das sind mehr als Angehörige evangelischer Freikirchen. An der Grenze vom November zum Dezember (dem 30. November) ist sein Gedenktag.

Die Gedenktage der Apostel teilen wir mit Menschen aus ganz anderen Ländern und Kirchen. Sie erinnern uns auch an den Auftrag von Jesus: „Geht hin in alle Welt!“ (Matthäus 28, 19.20). Denken wir an den Jünger Andreas, der sowohl für Christen in der Ukraine wie in Russland die Rolle eines der wichtigsten Apostel (Gesandten) spielt. Vielleicht beim nächstem Mal, wenn wir warten müssen, wenn ein Zug vorbeifährt (auch wenn das in Oldenburg erst mal nicht mehr passiert).

Pastor i R Dr Horst Simonsen, Oldenburg

Vom Hören, Reden und vom Zorn

Jak 1,19+20 „19 Ihr sollt wissen: Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn. 20 Denn des Menschen Zorn tut nicht, was vor Gott recht ist.

Über viele Jahre war Jak 1,19 sozusagen „mein Vers“. Ich mochte die Direktheit, in der Jakobus Dinge ansprach, die gerade in meinem Leben ziemlich schiefliefen. Denn ich konnte lange Zeit schlecht zuhören, habe die Menschen nicht ausreden lassen und wurde viel zu oft und zu schnell ungehalten über alle möglichen Sachen und Menschen.

Natürlich ist es nicht angenehm, wenn man seine Schwächen vor Augen geführt bekommt, auch wenn es auf so unaufgeregte und schlichte Weise geschieht. Aber aus welcher Quelle könnte eine solche Ermahnung eher kommen, wenn nicht aus dem Wort Gottes?

Mir selbst schwante Irgendwann, dass mein Verhalten oft nicht in Ordnung war. Nicht nur meine Familie gab mir entsprechende Rückmeldungen, auch Jakobus 1,19 lies mir keine Ruhe.

Schließlich sagte ich zu, mein vermeintliches Fehlverhalten mit Jesus im Gebet zu besprechen. Allerdings rechnete ich nicht damit, dass mir Gott da irgendwelche Veränderungen ans Herz legen würde. Denn ich war ja fest davon überzeugt im Recht zu sein.

Sie ahnen sicher schon, wie es weiterging. Wenn man sich an den Gott der Bibel wendet, muss man immer mit einer Reaktion rechnen. Auf welche Weise Gott reagiert, ist dabei völlig ihm selbst überlassen und erfahrungsgemäß höchst unterschiedlich.

In meinem Fall war es so, dass mir selbst nach und nach Situationen auffielen, in denen ich genau das Gegenteil von dem tat, was Jakobus in dem Vers schreibt. Wer allerdings schon mal versucht hat, sich selbst zu ändern, weiß, dass dies meist nicht möglich und mit viel Krampf verbunden ist.

Mir wurde schnell klar, dass ich die Hilfe Gottes bräuchte, um meinen Charakter in diesen Bereichen so zu verändern, dass Gott sich darüber freuen kann. Ich bin mit Gott auf dem Weg, auch bei Hören, Reden und beim Zorn. Dieser Weg lohnt sich, soviel kann ich sagen.

Autor: Frank Schulz

 

 

Ein Gleichnis für unser Leben

Am letzten Sonntag im Kirchenjahr, am Sonntag vor dem ersten Advent, denken wir an unsere Verstorbenen, besonders die aus dem abgelaufenen Kirchenjahr. Angehörige bekommen oft eine Einladung. Ebenso wird oft auf dem Friedhof eine Andacht gefeiert. Manchmal ist es immer noch Sitte, vorher die Grabstellen zu besuchen und sie vorher „winterfest“ zu machen. Natürlich – in den letzten Jahren hat sich in diesem Bereich auch massiv viel verändert. Immer weniger wohnen Menschen da, wo ihre Vorfahren begraben sind. Versicherungen zahlen oft keine Zuschüsse mehr. Das „Sparen auf die Beerdigung“ ist nicht mehr so üblich – oder auch möglich. Das verstärkt die Suche nach neuen, preiswerten Bestattungsformen. Nicht bei allen ist es mit dem Denken an die Verstorbenen so leicht. Das Grundbedürfnis aber bleibt. Vielleicht auch zu späterer Zeit.

Markus berichtet, dass Jesus kurz vor seinem Leiden und Sterben mit seinen Begleitern das Tempelheiligtum aufsucht. Die sind tief beeindruckt von der Ausstrahlung und Größe. Das sind Menschen noch heute von der übrig gebliebenen Tempelmauer. Ihnen läuft es über den Rücken – wie vielleicht Katholiken in Rom oder Muslimen in Mekka. Jesus ist weniger beeindruckt: „(Seht ihr) diese großen Bauten? Nicht ein Stein wird auf dem andern bleiben, der nicht zerbrochen werde.“ (Markus 13,2).Für mich ist das (auch) ein Gleichnis für unser Leben. Wir Menschen sind in der Lage, Großartiges zu schaffen. Andere bestaunen das. Aber wir sind endlich. Auch unsere Leistungen und Werke sind endlich. Manches vergeht schneller, als es uns lieb ist. Das kann weh tun.

Am Ende der Rede ruft Jesus entsprechend zu Wachsamkeit auf. Er nimmt unser Erschrecken über die Vergänglichkeit auf. Was aber nicht vergehen wird, ist seine Beziehung, sein Reden zu Menschen, die im Vertrauen auf ihn leben: „Himmel und Erde werden, aber meine Worte werden nicht vergehen“ (Markus 13,31). Die Art und Weise dieser Beziehung wird eine andere sein, als die, die uns aus diesem Leben bekannt ist – aber er gibt diese Zusage. Die ist mehr als ein „ehrendes Angedenken“, das ganz in unserer Vorstellungswelt bleibt. Die schließt auch das ein, was uns nicht gelungen, was unversöhnt geblieben ist.

Pastor i R Dr Horst Simonsen, Oldenburg