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Geistliche Impulse

An dieser Stelle finden Sie geistliche Impulse rund um den Gott der Bibel. Verfasst und betreut werden diese Impulse von Mitgliedern unserer Gemeinde. Derzeit aktiv sind Frank Schulz und Pastor Dr. Horst Simonsen.

Für die Inhalte der Impulse sind die Autoren verantwortlich. Sie spiegeln nicht zwingend die Ansichten der Kirchengemeinde Oldenburg wieder.

Augen in Segeberg

Lukas 24, 13-16 „13 Und siehe, zwei von ihnen gingen an demselben Tage in ein Dorf, das war von Jerusalem etwa sechzig Stadien entfernt; dessen Name ist Emmaus. 14 Und sie redeten miteinander von allen diesen Geschichten. 15 Und es geschah, als sie so redeten und einander fragten, da nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen. 16 Aber ihre Augen wurden gehalten, dass sie ihn nicht erkannten.


In Bad Segeberg gibt es in einem alten Gebäude ein Museum, in dem keine Möglichkeit gefunden wurde, zu heizen. Aus diesem Grund wurde vor über zehn Jahren beschlossen, dass Museum in den kalten Jahreszeiten zu schließen.

Vor kurzem nahm ein neuer Mitarbeiter seinen Dienst in dem Museum auf. Die Museumsleitung berichtete ihm von den klimatischen Verhältnissen im Gebäude und der Mann wurde stutzig, denn es gab Lüftungsschlitze in den Räumen. Aus ihnen strömte im Winter die kalte Luft und machte den Museumsbetrieb zu einer frostigen Angelegenheit. Der neue Mitarbeiter ging in den Keller und fand eine abgeschaltete Heizung. Mit wenigen Handgriffen nahm er die Heizung in Betrieb und das Gebäude wurde kuschelig warm. Niemand kann sich erklären, weshalb die Heizung so viele Jahre unentdeckt geblieben ist.

So ähnlich könnte es den Jüngern Jesu ergangen sein. Der Heiland der Welt war gekreuzigt worden und alle Hoffnung schien verloren. Die Emmaus-Jünger hatten die Auferstehung Jesu nicht mitbekommen. Wie kalt musste ihnen die Welt danach vorgekommen sein! Sie waren sich sicher: Jesus ist tot. Es gibt also keine „Heizung“.

Auf dem Weg zurück in eine kalte Welt gesellt sich Jesus zu ihnen. Er kommt ihnen ganz nah, hört ihnen zu und fragt sie, was sie so sehr bewegt. Sie erkennen ihren Herrn nicht, aber es bricht aus den Jüngern heraus. Sie mussten darüber reden, ihren Kummer teilen, damit es nicht ganz so weh tat. Wir kennen das. Geteiltes Leid wiegt weniger schwer. Und Jesus hört zu, ist da, spendet Trost.

Vielleicht ergeht es ihnen gerade auch so. Sie haben von Jesus gehört und gelesen, sind ihm vielleicht sogar schon irgendwann begegnet, aber gegenwärtig spüren sie nichts von seiner Nähe. Daher nehmen sie an, dass er ihnen fern ist. Sie erkennen ihn nicht. Ihren Augen geht es eigentlich ganz gut und trotzdem bemerken sie Jesus in ihrem Leben nicht. Das ist gar nicht ungewöhnlich. Vielen Menschen wird die Sicht von irgendwelchen Problemen oder Erlebnissen vernebelt.

Machen sie jedoch nicht den gleichen Fehler wie die Mitarbeiter im Segeberger Museum. Machen sie sich auf die Suche nach der „Heizung“, bevor sie ihr Glaubensleben wegen Unterkühlung schließen.

Jesus ist ihnen näher als sie denken. Er lässt sich finden. Immer.

 

Autor: Frank Schulz

 

 

 

 

08.05

Dienstbesprechung - „Da sind noch so viele Einladungen. Die müssen an die Senioren verteilt werden“ – „Können das nicht die Konfirmanden machen?“ – „Ähm, wir haben nicht mehr so viele früher“ – „Aber die Stimmung ist besser geworden. Insgesamt weniger – aber auch weniger als früher, die die Zeit lustlos absitzen oder stören. Die nur da sind, weil die Eltern oder Großeltern Druck machen.“

 

Ja, Dinge ändern sich. Als ich vor über 45 Jahren Konfirmand war, waren das mit die größten Jahrgänge („Babyboomer“). Fast alle waren noch Kirchenmitglieder und „es gehörte sich“. In meinem Bezirk 70 Jugendliche, vier große Gruppen. Mittlerweile ist man in der ganzen Stadt froh, wenn es noch mehr als eine Gruppe gibt. Die Konfirmation – auch im Westen Deutschlands, auch im ländlichen Raum keine Selbstverständlichkeit mehr.

 

Verlust – und Gewinn. Gewinn etwa, wenn Jugendliche erleben: Da ist oft mittlerweile ein Team. Nicht ein Pastor allein. Auch gemeindepädagogische Mitarbeitende. Vor allem aber: Andere Jugendliche, die nur ein, zwei, drei Jahre älter sind. Sie unterscheiden sich in vielem Äußeren kaum von den Konfirmandinnen und Konfirmanden. Aber sie sind motiviert, ihnen liegt daran, mit ihren Erfahrungen ihren christlichen Glauben weiter zu geben. Vielleicht sitzt nicht gleich jedes Wort – aber wie wirkt das, wenn jemand merkt: der oder die ist davon bewegt und es spielt für den Alltag eine gewichtige Rolle? Glaube ist nicht nur Glaube der Hauptamtlichen. Nicht nur Bewahrung vergangener Tradition.

 

Jetzt werden wieder einige Gruppen von Jugendlichen eingesegnet. Wir sind als Gemeinde eingeladen, freundlich auf sie zu blicken. Ihre Gaben zu sehen. Für sie zu beten. Manch einer, manch eine wird Ostholstein zumindest für die Ausbildung verlassen. Beten wir, dass sich das, was sie erlebt haben, in ihrem Herzen auf Dauer festsetzt. Dass vielleicht sogar Eltern und Freunde ins Nachdenken kommen, wie Glaube und Leben zusammen kommen. Dass es nicht nur eine Formalie ist, wenn ihnen zugesprochen wird: „Gott Vater Sohn und Heiliger Geist gebe dir Schutz und Schirm vor allem Bösen, Hilfe und Stärke zu allem Guten.“

 

Gottsegne dich und du sollst ein Segen sein“ (1. Mose 12, 3). „Und siehe, ich bin bei euch bis an der Welt Ende“ (Matthäus 28, 20)

 

Autor: Pastor i R Dr Horst Simonsen, Oldenburg

 

 

 

 

Tauben im Plan Gottes

Mich begeistert es, wenn ich in der Bibel Zusammenhänge erkenne. Je mehr ich lese und je mehr ich mir anschaue, was andere Menschen zur Bibel geschrieben haben, je mehr finde ich in der Bibel Aussagen, die mir klar machen, wie durchsetzt dieses Buch von roten Fäden ist. Einen dieser Fäden möchte ich heute vorstellen.

Liest man in Lukas 2,24 „...und ein Schlachtopfer zu geben nach dem, was im Gesetz des Herrn gesagt ist: ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben.


so sind ein Paar Tauben für sich nichts, was besonders hervorzuheben wäre. Es sind halt zwei Tauben. Weshalb muss das in der Bibel stehen?

Maria und Joseph waren in Jerusalem, um nach der Geburt Jesu ein nach dem mosaischen Gesetz vorgeschriebenes Opfer zu bringen. Die Sache mit den Tauben ist folgende:  Sie durften von gesetzestreuem Juden nur als Opfer gebracht werden, wenn man sich nichts Besseres leisten konnte (3.Mose 12,8). Juden, denen es materiell einigermaßen gut ging, sollten auch beim Opfer nicht knauserig sein.

Maria und Joseph durften Tauben opfern, da sie entsprechend arm waren. Beide Eheleute stammten aus der Königlinie Davids und hier wird es spannend, da auf die damalige Situation einige alte Prophezeiungen hindeuteten. Der von den Juden so sehr ersehnte Messias würde aus der Königslinie Davids stammen. Er würde in einer Zeit erscheinen, in denen dieses Königshaus in Trümmern liegt und es nur noch wenige Nachkommen dieses großen Königs gäbe (Jes 11,1; Amos 9,11). Beides traf auf die Zeit zu, in der Maria und Joseph lebten.

So sind die Tauben aus Lukas 2,24 ein Kennzeichen dafür, dass die Zeit erfüllt war, in der Gott den Messias senden wollte und gesandt hat (Gal 4,4). An solchen Kleinigkeiten erkennt man, wie zuverlässig Gott ist in allem, was er sagt und ankündigt und wie fein die Zusammenhänge gesponnen sind.

 

Autor: Frank Schulz

 

 

 

 

 

24.04.22

Heute Morgen habe ich eine Nachricht vernommen, die mich zunächst sehr befremdete. Es gibt – gar nicht so wenige – Menschen, Frauen zumeist, die aus dem Kriegsgebiet in der Ukraine geflüchtet waren – und nun tatsächlich zurück fahren. Sie haben Sehnsucht nach ihrer Familie. Oder nach dem, was von ihr noch da ist, jetzt. Gesteigert wird diese Sehnsucht durch das dort bevorstehende Osterfest. Ja – weil die Menschen in den Ostkirchen unterschiedlichen Kalendern folgen, sind die Termine tatsächlich oft unterschiedlich. Und nicht nur das unterscheidet uns. Während bei uns Weihnachten das große Familienfest und von den christlichen Festen das ist, was am meisten im Mittelpunkt steht, ist es dort das Osterfest.

 

Wahnsinn – denke ich. Und nicht nur ich. Auch andere raten eher ab. Wahrscheinlich würde ich das auch tun, wenn man mich denn fragen würde. Ja, es ist sicher oft unerklärliches Heimweh (was auch immer „Heimat“ ist – Sprache, Land, Gebräuche, vertraute Menschen…). Ich habe in diesen letzten Wochen einen Hauch Verständnis bekommen für Geschichten von Geflüchteten und Vertriebenen, die vor über 75 Jahren auch zumindest versuchten, in dieses Vertraute auch bei drohender Gefahr zurückzukehren.

 

Ich spüre aber neben all diesem zunächst einmal Menschlichen aber tatsächlich auch eine Erinnerung an Ostergeschichten, wie sie der Evangelist Johannes erzählt. Der spricht davon, wie sich die engsten Begleiter Jesu aus Angst eingeschlossen hatten. Da waren sie vielleicht sicher. Aber wie sollte Jesus sie noch erreichen? Aber dieser Auferstandene kann auch durch ihre geschlossenen Türen gehen. Er nimmt wieder Kontakt auf. Er bläst sie mit seinem Geist an. Spricht ihnen in der Angst Frieden zu und erneuert Beziehung und Auftrag. „Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch!“ (Joh 20, 19-23; 21)

 

Autor: Pastor i. R. Dr. Horst Simonsen