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Geistliche Impulse

An dieser Stelle finden Sie geistliche Impulse rund um den Gott der Bibel. Verfasst und betreut werden diese Impulse von Mitgliedern unserer Gemeinde. Derzeit aktiv sind Frank Schulz und Pastor Dr. Horst Simonsen.

Für die Inhalte der Impulse sind die Autoren verantwortlich. Sie spiegeln nicht zwingend die Ansichten der Kirchengemeinde Oldenburg wieder.

1. Advent

„Das Volk, das in Finsternis saß, hat ein großes Licht gesehen; und denen, die saßen am Ort und im Schatten des Todes, ist ein Licht aufgegangen“ (Mt 4, 24, nach Jes 8,23; 9,1).

 

Ein zweites Mal Advent in Corona-Zeiten. Bei uns im Norden werden wohl die Märkte (mit einigen Auflagen und Beschränkungen) stattfinden. In besonders von Corona betroffenen Regionen  wie Thüringen, Sachsen und Bayern sind sie wieder abgesagt. Tragisch für die betroffenen Händler und Betreiber. Unangenehm für Menschen, die da gerne hingehen und für die diese Zeit vor allem mit der entsprechenden romantischen Stimmung verbunden ist.

 

Wenn ich ehrlich bin: Ich kann gut nachfühlen, wenn man das vermisst. Schade auch, dass vermutlich wieder manches an vorweihnachtlicher Musik ausfällt.

 

Aber mir ist im Lauf meines Pastorenlebens auch deutlich geworden: Advent ist eigentlich nicht „vorweihnachtliche Zeit“ – manchmal gar nicht wirklich besinnlich. Eher haben manche Gruppen viel Druck gemacht, möglichst im November gleich das volle Weihnachtsprogramm abzufeiern – inclusive „Stille Nacht“ und „O du fröhliche.“ Die „offiziellen“ Texte und Lieder haben viel mehr mit dem „Noch-Nicht“ des Erwarteten zu tun. Weihnachten kommt eben nicht schneller, wenn wir gleich alle Türen des Adventskalenders auf einmal aufmachen. Und – es gibt kaum eine bessere Methode, bei den Eltern Wutanfälle und Verletzungen zu erzeugen, als das Versteck der Geschenke ausfindig zu machen. Alles hat seine Zeit. Und auf dieser Ebene haben wir durchaus ein Empfinden für diese Unterscheidung.

 

Ja, manches ist wirklich schade. Etwa, dass auch dieses Jahr das Singen im Krankenhaus vor Weihnachten nicht geht. Aber gerade dieser reduzierte Advent erinnert mich auch an das viele Dunkel in dieser Welt, in die Gott im Menschen Jesus gekommen ist – in die harte Krippe, zu den erstaunten und erschrockenen Hirten auf dem Feld. Und wohl nicht umsonst gibt es viel mehr Weihnachtsgeschichten, die vom Kommen dieses Lichts in das Dunkle und Ungeplante und Unvollkommene erzählen.

 

„Noch manche Nacht wird fallen / auf Menschenleid und –schuld. / Doch wandert nun mit allen / der Stern der Gotteshuld. / Beglänzt von seinem Lichte / hält euch kein Dunkel mehr, / von Gottes Angesichte / kam euch die Rettung her.“ (Jochen Klepper, Evangelisches Gesangbuch Nr. 16, Vers 4)

 

Autor: Pastor Dr. Horst Simonsen

 

 

Wofür Gott uns einsetzt.

Johannes 11,39a „Jesus spricht: Hebt den Stein weg!“ und
Johannes 11,44b „Jesus spricht zu ihnen: Löst die Binden und lasst ihn gehen!“

Trifft man in der Bibel auf die Auferweckung des Lazarus, so kann man was erleben. Dramatische Szenen, emotionale Achterbahnfahrten und die unfassbare Macht Gottes. Ein Toter wird zum Leben erweckt!

Sucht man nach dem, was die anwesenden Menschen zu dieser Auferweckung beitragen haben, wird es merklich ruhiger. Gleichzeitig findet man in der ganzen Begebenheit einige Parallelen, die auf die ganze Menschheit zutreffen.
 
Erstens, der Menschheit geht es in ihrer Beziehung zu Gott wie Lazarus im Grab. Sie ist tot, und zwar so richtig. Marta merkte an, dass ihr Bruder bereits üblen Geruch von sich gäbe (Joh 11,39b). Niemand würde noch behaupten, Lazarus hätte seinen Tod vorgetäuscht. Und genau wie Lazarus sich nicht selbst auferwecken konnte, kann es die ganze Menschheit nicht.

Zweitens, es ist Jesus der ins Leben zurückruft. Jeder andere Mensch hätte sich vor dem Grab aufbauen und Lazarus herausrufen können. Es wäre nichts passiert. Es sind die Wort Jesu die zählen. Jesus ist das Leben. Wie oft liest man das in der Bibel! Hier bei Lazarus sieht man, wie buchstäblich wahr es ist.

Drittens, Menschen, die bereits ins Leben gerufen wurden, werden von Jesus eingespannt. Sie stehen im Dienst Gottes. Das sind keine großen Sachen und Gott könnte sie auch prima selbst machen. Aber Gott hat sich entschieden, seine erlösten Menschen miteinzubeziehen. Denn ihm sind alle Menschen wichtig!

Das ist also die Rolle, die Christen bei der Erlösung anderer spielen sollen. Sie beseitigen Steine auf dem Weg anderer Menschen hin zu Christus. Vielleicht stellen sogar die Impulse dieser Webseite eine solche Hilfe da. Das wäre doch schön!

Autor: Frank Schulz

 

 

 

2 Kor 5, 1-10: Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi.

Nach einer aktuellen Umfrage zum Volkstrauertag können 58 Prozent der Deutschen mit diesem Tag nichts mehr anfangen (und sind u. U. genervt, dass dieser Tag auch in der Öffentlichkeit ein „stiller Tag“ mit Tanzverbot usw. ist). Dieser Wert steigt, je jünger die Menschen sind. Verständlich. Der Krieg ist als spürbares Ereignis in unserem Land her. Ich habe unter anderem in einem Seminar gelernt: Jetzt (und schon etwas länger) geht eine „goldene Generation“ in den Ruhestand. Sie kennt aus eigener Anschauung im Regelfall keine Kriegszerstörung und keinen Hunger. Ich habe als Kind durchaus noch Menschen mit wahrnehmbaren körperlichen Kriegsschäden gesehen und genug Geschichten von Hungerwintern gehört (manchmal wurde es mir mangels eigener Erfahrung etwas viel, vor allem, wenn diese Erzählungen als Begründung herhalten mussten, dass ein ohne hin nicht schmeckendes Essen im Zweifelsfall ein drittes Mal aufgewärmt wurde).

 

Der Volkstrauertag ist eigentlich gar kein kirchlicher Feiertag. Er ist ein Feiertag des Staates und zwar des demokratischen Staates. Er ist anders als im Nationalsozialismus auch kein „Heldengedenktag“, auch wenn mich manche Feier leider daran erinnert. Die lange Geschichte enger Verbindung zwischen Kirche und Staat und die entsprechende Nähe von Gedenkorten führen aber zu vielen kirchlichen Feiern und zur Teilnahme von Menschen, die eher selten in der Kirche sind, gerade unter Menschen, die politische Verantwortung tragen. In der evangelischen Kirche finden sie am vorletzten Sonntag im Kirchenjahr statt. Sein Thema ist eigentlich gar nicht „Krieg und Frieden“, sondern Gericht, näherhin: Jesus als Richter (und als Anwalt, was den Vergleich mit jedem menschlichen Prozess sprengt). Auch ein oft verdrängtes Thema. Aber die Kernbotschaft ist für mich: Wir Menschen können nicht einfach tun und lassen, was wir wollen. Am Ende kommt noch einmal alles zur Sprache. Und da Jesus eben in der Botschaft der Bibel Richter und Anwalt in einer Person ist, hat es keinen Sinn, Schuld zu verdrängen (die über kurz oder lang nicht zu verdrängen ist), sondern auf ihn zu vertrauen. Er lässt nicht einfach die fünf gerade sein. Er löst das manchmal unentrinnbare Dilemma durch Selbsthingabe. Grund genug, ihm meine Widersprüchlichkeit anzuvertrauen. Grund genug, ihm auch die verstörenden Bilder dieses Jahres anzuvertrauen: Die 96-jährige, die bestimmt gedacht hat: Ich erlebe bestimmt keinen Prozess mehr, die Zeit ist doch darüber hinweggegangen. Oder die verzweifelten Menschen, die sich in Afghanistan an die Tragfläche eines Flugzeugs gehängt haben.

 

„O jesu Christ, du machst es lang / mit deinem Jüngsten Tage; / den Menschen wird auf Erden bang / von wegen vieler Plage. / Komm doch, komm doch, du Richter groß, / und mach uns bald in Gnaden los / von allem Übel. Amen.“ (Evangelisches Gesangbuch 149, 7)

Autor: Pastor Dr. Horst Simonsen