Geistliche Impulse
Wenn das Wort wirklich Wurzeln schlägt
Lukas 8,5a ff „Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen.“
Römer 8,38a ff „Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben…“
Es gibt das bekannte Gleichnis vom Sämann und den vier verschiedenen Böden, von denen nur der letzte wirklich guter Boden ist. Und es gibt im Römerbrief die gewaltige Zusage des Paulus: Wer in Christus Jesus ist, den kann nichts von der Liebe Gottes trennen.
Das Gleichnis vom Sämann ist kein Gleichnis gegen die Gewissheit des Heils, sondern gegen eine falsche Sicherheit. Jesus zeigt, dass dasselbe Wort Gottes auf sehr unterschiedliche Herzen trifft. Bei manchen bleibt es an der Oberfläche. Bei anderen scheint zunächst Leben da zu sein, aber ohne Tiefe. Wieder andere hören das Wort, doch Sorgen, Reichtum und Begierden ersticken es. Nur der gute Boden nimmt das Wort so auf, dass es bleibt und Frucht bringt.
Das ist ernst. Denn Jesus beschreibt nicht nur verschiedene Reaktionen auf eine Predigt, sondern die Frage, ob das Wort Gottes im Menschen wirklich angekommen ist. Im Grundtext wird bei dem guten Boden nicht nur ein kurzer Eindruck beschrieben, sondern ein bleibendes Aufnehmen, Festhalten und Fruchtbringen. Besonders Lukas betont, dass diese Menschen das Wort „in einem guten und edlen Herzen“ behalten und „in Ausharren“ Frucht bringen. Das bedeutet nicht: Sie retten sich durch ihre Ausdauer. Aber es bedeutet: Wo Gott wirklich neues Leben schenkt, bleibt dieses Leben nicht ohne Frucht.
Genau hier gehört Römer 8 dazu. Paulus spricht dort nicht von oberflächlicher religiöser Begeisterung, sondern von Menschen, die „in Christus Jesus“ sind. Das ist mehr als ein frommer Gedanke. Es beschreibt eine neue Stellung vor Gott: Wer durch Christus erlöst ist, steht nicht mehr unter Verdammnis. Gottes Geist wohnt in ihm. Er ist Kind Gottes. Und über solche Menschen sagt Paulus: Nichts kann sie scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist.
Paulus nennt Bedrängnis, Angst, Verfolgung, Hunger, Gefahr, Tod, Leben, Mächte, Gegenwärtiges und Zukünftiges. Nichts davon ist stark genug, einen Menschen aus der rettenden Liebe Gottes herauszureißen, wenn Gott ihn in Christus angenommen hat.
Aber Römer 8 schenkt Trost nicht unabhängig von Christus, sondern gerade in Christus. Und das Gleichnis vom Sämann fragt: Ist das Wort nur gehört worden, oder hat es Wurzel geschlagen? Ist da nur ein religiöser Anfang, oder ist da ein von Gott gewirktes Leben, das bleibt?
Darum gehören beide Wahrheiten zusammen. Der wahre Christ soll nicht in ständiger Angst leben, als könne jede Schwachheit ihn von Christus trennen. Aber er soll sich auch nicht mit einem bloßen Anfang, einer Stimmung oder einem Bekenntnis ohne Frucht beruhigen. Die Sicherheit liegt nicht in der Stärke unseres Festhaltens, sondern in Christus. Doch wer von Christus gehalten wird, bleibt nicht derselbe. Der gute Boden ist nicht perfekt, aber lebendig. Er bringt Frucht, weil Gottes Wort in ihm wirkt und Gottes Geist in ihm wohnt.
So wird das Gleichnis nicht zur Drohung gegen die Erlösten, sondern zur nüchternen Prüfung des Herzens. Und Römer 8 wird nicht zur billigen Beruhigung, sondern zum tiefen Trost für alle, die wirklich in Christus sind.
24.05.2026 Autor: Frank Schulz
TESTAMENT ODER BUND ?
Die prophetische Verheißung von Jeremia 31, 31-34 ist ein langer und komplizierter Text. Zugleich hat er aber wie wenig andere Verbindungen zur Welt von Jesus und en ersten Christen. Die bekannteste ist sicher in der Abendmahlsüberlieferung, als Jesus den Mahlbecher voller Wein als Becher des neuen Bundes (oder eben Testaments) deutet (Lukas 22,20; 1. Korinther 11,25) Auch in den Einsetzungsworten wie sie bei einer Abendmahlsfeier gesprochen werden stehen in der Vorlage beide Varianten. Als Pastor/Pastorin muss ich mal also entscheiden. Ich gebe zu, ich bin mir im Lauf meines Berufslebens nie ganz sicher gewesen. Genauso übrigens wie Martin Luther und die Bearbeiter seiner Bibelübersetzung. Luther selbst übersetzte „Testament“, in der neuesten Ausgabe seiner Übersetzung steht „Bund“. Dass Luther anders übersetzt hat wird mit einem Sternchen vermerkt.
Beide Übersetzungen haben in der deutschen Sprache etwas Missverständliches. „Testament“ lässt an die Teile der Bibel denken. Deswegen bin ich lange beim „Bund“ geblieben. „Bund“ aber klingt in unseren Ohren schnell wie ein Vertrag von zwei Parteien auf gleicher Höhe. „Vertrag kommt von Vertragen“ sagen die Juristen – wenn sich beide Parteien nicht einig sind kann der Notar nicht Siegel und Unterschrift darunter setzen. So aber sind die „Bundes“schlüsse in der Bibel nicht. Mancher Professor würde sagen: Das angemessene Wort wäre „Setzung“ von Gott her. Er gibt seinen Willen kund – wenn die Menschen, die zu ihm gehören, dem ausdrücklich zustimmen, ist das gut. Das ist aber keine Äußerung auf gleicher Höhe. Was Jeremia beklagt und andere Propheten ist: Menschen in seinem Volk haben Gottes Willenskundgabe zwar zugestimmt – aber sich nicht daran gehalten. Normalerweise wäre es dann so: Wenn ein Partner die Vereinbarung bricht, muss sich der andere auch nicht mehr daran halten. Das macht Gott aber auch nicht. Sein Volk muss die Konsequenzen des Bruchs tragen. Aber aus Liebe kommt es nicht zum Abbruch der Beziehung. Die Versöhnung wird versprochen und dennoch liegt sie in der Zukunft. Die Zusage ist Gegenwart, aber die Vollendung steht noch aus.
Heute bin ich wieder eher bei der Übersetzung „Testament“. Menschen, die es nicht so mit Fremdwörtern haben überschreiben ihr Testament oft mit „Mein letzter Wille“. Für den Propheten war Gottes letzter Wille: „Ich will euer Gott sein und ihr sollt mein Volk sein“ (Jeremia 30,22). Christen nehmen Jesu Worte vom neuen Bund/Testament ernst, die er mit der Hingabe seines Lebens besiegelt hat. Paulus, sein Zeuge vor aller Welt mit den bleibenden jüdischen Wurzeln sagt: „Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht reuen“ (Römer 11,29)
17.05.2026 Pastor i. R. Dr. Horst Simonsen, Oldenburg
Vorsehung
Wenn wir von Vorsehung sprechen, meinen wir nicht zuerst ein theologisches System, sondern eine Wirklichkeit: Gott handelt. Nicht irgendwann, nicht nur im Großen, sondern jetzt, in allem.
Die Bibel verwendet dieses Wort nicht direkt, aber sie ist von Anfang bis Ende durchzogen von dieser Realität. Gott sieht nicht nur – er sorgt. Er weiß nicht nur – er führt. Was für uns wie ein Nebeneinander von Zufall, Entscheidung und Chaos aussieht, ist in Wahrheit eingebettet in einen Ratschluss, der „von Anfang an das Ende verkündigt“ (Jes 46,10).
Dabei ist entscheidend: Vorsehung ist mehr als bloße Souveränität. Gott kann nicht nur alles tun, er tut auch alles zielgerichtet. Seine Herrschaft ist nicht statisch, sondern tätig und dynamisch, nicht mechanisch, sondern persönlich. Vorsehung heißt: Gott hält diese Welt nicht nur in Existenz, sondern er ist mitten in ihr am Werk, er trägt, lenkt und führt alles, sichtbar und unsichtbar, hin zu dem Ziel, das er sich vorgenommen hat.
Das umfasst das Große und das Kleine. Jesus spricht davon, dass kein Sperling zur Erde fällt ohne den Vater und dass selbst die Haare unseres Hauptes gezählt sind (Mt 10,29–30). Das ist keine poetische Übertreibung. Es ist eine Einladung, die Welt anders zu sehen: nicht als ein in sich geschlossenes System, sondern als eine von Gott durchwirkte Wirklichkeit.
Genau hier beginnt aber auch die Spannung. Denn dieselbe Bibel, die sagt, dass Gott alles lenkt, zeigt uns eine Welt voller Leid, Schuld und Dunkelheit. Joseph wird verkauft. Hiob verliert alles. Christus wird gekreuzigt. Und doch sagt die Schrift nicht: Gott hat das nur zugelassen, weil er es nicht verhindern konnte. Sie geht weiter: „Ihr gedachtet es böse zu machen; Gott aber gedachte es gut zu machen“ (1Mo 50,20).
Das ist schwer. Es bleibt in gewisser Weise eine „sperrige Wahrheit“. Aber genau hier liegt die Tiefe der Vorsehung: Gott ist so souverän, dass selbst das Böse ihn nicht aus seinem Plan drängen kann. Und zugleich so heilig, dass er selbst niemals Urheber der Sünde wird.
Der Mittelpunkt dieser Vorsehung ist das Kreuz. Dort sehen wir am klarsten, was Vorsehung bedeutet. Menschen handeln aus Hass, Angst und Schuld, und genau darin erfüllt sich „Gottes festgesetzter Ratschluss“ (Apg 2,23; 1. Petrus 1,19–20). Das größte Unrecht wird zum größten Heil. Nicht trotz, sondern durch Gottes Handeln.
Und damit wird Vorsehung persönlich. Es geht nicht nur um Weltgeschichte, sondern um dich. Wenn Gott seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, dann ist nichts in deinem Leben außerhalb seiner Hand. Nichts ist zufällig, nichts bedeutungslos. Auch das, was du nicht verstehst, steht nicht neben Gott, sondern unter seiner Herrschaft.
Das Ziel dieser Vorsehung ist nicht zuerst unser bequemes Leben, sondern Gottes Herrlichkeit, das heißt: dass sichtbar wird, wer er ist, wie gut, heilig und zuverlässig er ist. Und gerade darin liegt unser Heil. Denn wir sind dafür geschaffen, ihn zu erkennen, ihm zu vertrauen und in ihm zur Ruhe zu kommen.
Vielleicht kann man es so sagen: Vorsehung bedeutet nicht, dass wir alles erklären können. Aber sie bedeutet, dass wir allem vertrauen dürfen.
3.05.2026 Autor: Frank Schulz