Geistliche Impulse
Hunger auf die Bibel?
5.Mose 8 Vers 3b „...auf dass er dir kundtäte, dass der Mensch nicht lebt vom Brot allein, sondern von allem, was aus dem Mund des HERRN geht.“
Diesen bekannten Vers zitiert Jesus im Neuen Testament, als er vom Teufel versucht wird (Mt 4,4; Lk 4,4). Früher wusste ich nicht so recht, was das bedeuten soll. Ein Buch zu essen, kam mir eher mühsam und wenig schmackhaft vor. Heute kann ich mir gut vorstellen, was damit gemeint ist.
Als ich 1992 Jesus kennenlernte, spürte ich plötzlich den Drang, in der Bibel zu lesen. Wissen Sie, was ich meine? Es ist wie Hunger. Nicht für Gaumen und Magen, sondern für Herz, Verstand und Seele. Und dieser Hunger hat bis heute nicht aufgehört. Ich bekomme seitdem einfach nicht genug von den Worten in diesem Buch, dem Wort Gottes.
Die Bibel klärt mich auf über Gott, die Welt und den Menschen. In ihr lerne ich Gott kennen. Ich erfahre, dass er alles erschaffen hat, wie die Welt geworden ist, wie wir sie heute vorfinden, und wohin die Reise geht. Immer wieder entdecke ich etwas Neues. Immer wieder lerne ich hinzu. Die Bibel ist mir dadurch zum Lehrmittel geworden.
Aber sie informiert mich nicht nur. In ihr zeigt Gott auch die Lösung für das Problem, das durch die Trennung von ihm entstanden ist. Die Bibel erklärt, warum Jesus kommen, sterben und auferstehen musste. Sie zeigt, wie Gott durch ihn Erlösung schenkt. Dadurch wird die Bibel für mich auch zu einem Lösungsmittel.
Und schließlich spricht die Bibel in meinen Alltag hinein. Sie ermutigt, ermahnt und führt. Sie stärkt mich, tröstet im Leid und richtet meinen Blick auf die Wiederkunft Jesu. So wird die Bibel für mich zu einem Lebensmittel.
In der Bibel spricht Gott zu uns. Darum kann ich nur Mut machen, sie zu lesen. Nicht einmal kurz, sondern immer wieder. Mit Geduld, mit Freude und mit der Erwartung, dass Gott selbst durch sein Wort redet.
5.07.2026 Autor: Frank Schulz
KAM EINST ZUM UFER, JOHANNES HIESS DER MANN
In der Mitte des Jahres, ungefähr zur Zeit der Sommersonnenwende, wenn die Tage am längsten sind, denken wir an der Kirche an Johannes den Täufer. Alle vier Jesusgeschichten der Bibel fangen mehr oder weniger mit ihm an (Matthäus 3, 1-12; Markus 1, 1-8; Lukas 3, 1-14; Johannes 1, 19-34; 3, 22-30). Ein Prediger der Umkehr predigt in der Wüste am Jordan vor einem bevorstehenden Gericht – und die Menschen kommen an diesen unwirtlichen Ort, um sich nicht gerade freundliche Predigten anzuhören. Zugleich weist Johannes auf einen „Kommenden“ hin, der größer ist als er. Auch Jesus hat sich anfangs dem Täufer angeschlossen. Zugleich schildern die Jesusgeschichten die Taufe von Jesus als Beginn seines öffentlichen Auftretens und seiner Bevollmächtigung dazu: Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen“ (Matthäus 3, 13-17; Markus 1, 9-13; Lukas 3, 21.22).
Im Johannesevangelium wird der Satz von Johannes über Jesus überliefert: Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen (Johannes 3,30). Seine Tage nehmen zu – meine nehmen ab. In einem halben Jahr, in der dunkelsten Jahreszeit feiern wir Jesu Geburt. Genau ein halbes Jahr vorher ist der Tag Johannes des Täufers (24. Juni).
Menschen, die auf dem Land aufgewachsen sind, wissen: Nach Johannis wird kein Spargel mehr gestochen und kein Rhabarber mehr geerntet. Vielleicht hat das mehr mit der Jahreszeit zu tun, in der man seit alters her an die Geburt von Johannes denkt. Die Zuordnung des Gedenktags (Johannestag im Sommer - Erinnerung an die Geburt Jesu im Winter) aber mit dem oben genannten Satz Johannes 3,30 zu tun oder damit, wie der Evangelist Lukas im ersten Kapitel seines Evangeliums die Geburt von Johannes dem Täufer und Jesus einander gegenüberstellt. Die Oldenburger Gemeinde ist eine Sankt Johannis Gemeinde und hat das Patronat auch nach der Reformation behalten. Nach ihm ist auch die Oldenburger Gilde benannt und feiert ihr Fest immer um den 24. Juni.
Im Gesangbuch gibt es unter der Nummer 312 ein schönes Erzähllied, das an seine Verkündigung und seinen Verweis auf Jesus erinnert. Das lohnt es nachzulesen (oder vielleicht sogar zu singen).
28.06.2026 Pastor i. R. Dr. Horst Simonsen, Oldenburg
WELCHEN JESUS LASSE ICH AN MICH HERAN ?
Im Matthäusevangelium Kapitel 11, Vers 25-30 sagt Jesus: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ Abgesehen mal davon, dass das Wort „erquicken“ aus unserem Alltagswortschatz verschwunden ist (Übersetzungsvarianten: neu beleben, erfrischen, stärken) – es ist ein schönes Bild. Und ein sehr wirkmächtiges. Ich denke an die Christusfigur des dänischen Bildhauers Bertel Thorvaldsen. Das Original ist für den Dom in Kopenhagen geschaffen worden, aber größere und vor allem kleinere Nachbildungen gibt es zuhauf. Jesus will mich wie in einen schützenden Mantel einhüllen. Grundsätzlich schön und tröstlich. Aber will ich mich dann auch zu den „Mühseligen und Beladenen“ zählen lassen, ihm meine eigene dunkle Seite oder Schwäche und Verletzlichkeit hinhalten ?
Matthäus 11, 25-30 ist der Abschnitt aus der Bibel, über den in den meisten evangelischen Kirchen am Sonntag gepredigt wird. In Oldenburg werden wir ein Kindermusical hören: „Gerempel im Tempel“. Im selben Evangelium ein ganz anders handelnder Jesus (Matthäus 21, 12-17). Nebenbei auch eine Erinnerung an Jesus, der die kleinen Kinder gelobt hat, weil sie ihn erkannt haben, in einer Zeit, in der man Kindern gar nichts zugetraut hat (Matthäus 21,16 nach Psalm 8,3). Aber eben doch ein Jesus, der nicht zuerst tröstet, sondern Menschen aus dem Tempel vertreibt und ihre Tische umstößt. Menschen, die sich für einen korrekten Betrieb im Tempel verantwortlich sahen, und passende Geldstücke oder Tiere zum Opfern vorhielten. Menschen, die aber wohl in der Wahrnehmung von Jesus am Kern der Anbetung und Herzensbeziehung zu Gott vorbei handelten. Dieser Jesus dürfte den meisten von uns fremder sein, weil er ganz offenkundig nicht lieb und nett ist. Im Kern aber trifft er aber auch eine Seite von Menschen: In Matthäus 11, 25-30 fragt er: Kannst du mir auch deine dunkle und schwache Seite anvertrauen, die du gern vor anderen verbirgst? In Matthäus 21, 12-17 fragt er: Kannst du von mir auch das hinterfragen lassen, was du für äußerlich korrekt hältst? Wo ist dein Herz?
14.06.2026 Pastor i. R. Dr. Horst Simonsen, Oldenburg